Vorbereitung auf die Winterstarre

Oktober – Vorbereitung auf die Winterstarre

Es ist Anfang Oktober und unsere Schildkröten sollten sich jetzt langsam mit der Vorbereitung auf die Winterstarre beginnen. Die Intensität der Sonne wird immer geringer, die Tage kürzer und die Nachttemperaturen niedriger. Dies haben die Schildkröten bereits im September wahr genommen. Dies ist auch wichtig und entspricht ihren natürlichen Verhaltensweisen. Aber damit sie nicht zu früh in die Winterstarre gehen, haben wir im September – zu früh für die Winterstarre – bereits mit technischen Hilfsmitteln für einen  warmen und sonnigen Herbst gesorgt und müssen das auch weiterhin machen. Ähnlich wie die Schildkröten ihn in ihren Ursprungshabiten vorfinden würden.

Artgerechte Vorbereitung auf die Winterstarre

Ich lese und höre immer wieder, dass Schildkrötenhalter ihre Tiere in der Übergangszeit in ein Zimmerterrarium setzen. Aber hier ist eine artgerechte Vorbereitung auf die Winterstarre nicht möglich. Auch wenn wir draußen mit technischen Hilfsmitteln für einen sonnigen Herbst sorgen müssen, so sind doch dass Tag/Nacht-Temperaturgefälle und die abnehmenden Sonnenstunden draußen wichtig für die Vorbereitung auf die Winterstarre. Das ist in einem Zimmerterrarium kaum realisierbar. Daher bleiben all unsere Schildkröten im Freigehege mit den beheizten Frühbeeten. Dabei sind selbstverständlich auch unsere jungen Nachzuchten. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum die Babys sich nicht draußen auf die Winterstarre vorbereiten sollten. In ihren Habitaten leben sie ja auch draußen unter den gleichen Bedingungen wie die adulten Schildkröten. Auch bei der Dauer der Winterstarre machen wir keine Unterschiede zwischen den Babys, den juvenilen und den adulten Boettgeries. Aber dazu später mehr.

Wie bereits im vorherigen Post geschrieben, reduzieren wir ab ca. Ende September die Beleuchtungsdauer wöchentlich um 1 Stunde. Die Babys und juvenilen Schildkröten lassen wir aus ihren Frühbeeten nun nicht mehr raus, um so sichergehen zu können, dass sie bei zu kalten Temperaturen nicht draußen bleiben und dauerhaft noch recht warme Umgebungstemperaturen haben. Bei den juvenilen Schildkröten können wir immer wieder beobachten, dass sie sich bei kühlen Temperaturen früher vergraben als ihre adulten Artgenossen. Das wollen wir verhindern. Unsere adulten Tiere lassen wir noch durchs Freigehege laufen. Hier ist häufig zu beobachten, dass sie mittags einen kleinen Rundgang durchs Gehege machen und dann aber wieder im Frühbeet unter den Lampen liegen. Sollte abends noch eine Schildkröten draußen sein, so setzen wir sie ins Frühbeet. Im Sommer überlassen wir es den Schildkröten, wo sie schlafen. Aber jetzt in der Vorbereitung auf die Winterstarre sollen die Schildkröten keinen Temperaturen unter ca. 12℃ ausgesetzt sein. Tagsüber sind im Lichtkegel der Lampen ca. 40℃. Über einen Thermotimer mit angeschlossenen Keramikheizstrahlern regeln wir die Umgebungstemperaturen in den Frühbeeten und sorgen so für mindestens 12℃.
Bei den nun kühler und kürzer werdenden Tagen können wir sehr gut beobachten, dass die Aktivität unserer Schildkröten abnimmt. Auch die Nahrungsaufnahme wird weniger. Bis Ende Oktober bieten wir unseren Schildkröten noch regelmäßig frisches Futter an. Hier bleibt aber meistens was über, obwohl die angebotene Menge im Vergleich zu Frühjahr und Sommer schon reduziert ist.

Unseren Schildkröten steht täglich frisches Wasser zur Verfügung, da eine gute Wasserversorgung wichtig ist für ein gesundes Überstehen der Winterstarre. Während der Winterstarre müssen wir auch für eine gewisse Substratfeuchte sorgen. Dazu aber ein anderes Mal mehr. Bei den adulten Tieren können wir sehr gut beobachten, dass sie regelmäßig trinken. Die juvenilen Schildkröten sind auch häufig in den Wasserschalen. Hier ist aber eine gezielte, längere Wasseraufnahme nicht so häufig zu beobachten. Daher bekommen unsere juvenilen Schildkröten im August, September und Oktober für ca. 10-15 Minuten ein handwarmes Bad. Die adulten Tiere baden wir nicht, da sie meistens versuchen, direkt wieder das Bad zu verlassen. Diesen Stress möchten wir ihnen nicht antun. Häufiger sollten die Schildkröten aber nicht gebadet werden. Während oder kurz nach dem Bad wird häufig Kot abgesetzt. Eine vollständige Darmentleerung gilt es aber zu vermeiden, da damit auch wichtige Bakterien ausgeschieden werden. Diese sind aber Voraussetzung für eine funktionierende Verdauung. Geben wir unseren Tieren die nötige Zeit, um sich auf die Winterstarre vorzubereiten, so sollte es auch hier keine Probleme geben.

Neben der Wasseraufnahme ist es auch wichtig, für eine leichte Substratfeuchte in den Frühbeeten zu sorgen. In den Habitaten unserer Schildkröten ist es im Herbst morgens leicht feucht. Das Substrat in den Frühbeeten aber würde ohne zusätzliche Wassergabe staubtrocken werden. Das gilt es zu vermeiden. Es darf sich aber auch keine Staunässe bilden. Im Übrigen halten wir auch während der Sommermonate das Substrat der juvenilen Tiere leicht feucht.

Ende Oktober / Anfang November werden alle zusätzlichen Lichtquellen ausgeschaltet und die Fütterung eingestellt. Mit Hilfe der Thermotimer sorgen wir dafür, dass die Temperaturen in den Frühbeeten nicht unter 5℃ fallen. Damit haben wir versucht, unseren Schildkröten eine möglichst artgerechte Vorbereitung auf die Winterstarre zu ermöglichen. Unsere adulten Tiere kommen nun auch nicht mehr aus ihren Frühbeeten. Innerhalb weniger Tage sind dann i.R. alle Schildkröten vergraben. Wir geben ihnen jetzt noch ca. 2 Wochen, in denen sie ihre Winterstarre beginnen. Danach überführen wir alle Schildkröten in den Kühlschrank . . . Dazu im nächsten Post mehr.

Wer sich noch detaillierter mit dem Thema Winterstarre beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch von Thorsten Geier: „Winterstarre bei Europäischen Landschildkröten: Naturnahe Vorbereitung und erfolgreiche Überwinterung“. Sieh dir dazu unsere Buchempfehlung an.