Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
- Salate sind kein artgerechtes Futter – sie können in futterarmen Zeiten gelegentlich helfen, ersetzen aber niemals Wildkräuter.
- Nicht alle Salate sind gleich. Endivie, Romana und Chicorée sind besser als Kopfsalat – Eisbergsalat ist nahezu wertlos.
- Die meisten Futterpellets aus dem Zoohandel sind ungeeignet. Sie enthalten Getreide, Zucker und zu viel Eiweiß.
- Heucobs und Heupellets sind die Ausnahme. Reines gepresstes Heu hat ein naturnahes Nährstoffprofil – und ist damit genau das Richtige.
- Gutes Pelletfutter erkennst du an der Zutatenliste: kein Getreide, kein Zucker, wenig Eiweiß, viel Rohfaser.
- Im Sommer sind Heupellets unverzichtbar. Frisches Grünfutter ist dann zu gehaltvoll – Heupellets liefern genau die rohfaserreiche, trockene Kost, die Schildkröten im Sommer brauchen.
Warum Salate nur bedingt geeignet sind
Landschildkröten sind Pflanzenfresser (Herbivore). In ihrer natürlichen Heimat im Mittelmeerraum fressen sie Wildkräuter von mageren, kalkreichen Böden: rohfaserreich, calciumreich, wenig Eiweiß, wenig Zucker. Das ist der Ausgangspunkt für alles, was wir ihnen anbieten. Salate aus dem Supermarkt sind das genaue Gegenteil davon.
Die meisten Salatsorten bestehen zu über 90 Prozent aus Wasser. Was bleibt, wenn man das Wasser wegdenkt, ist meist wenig Rohfaser, kaum Calcium und ein ungünstiges Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Wer seiner Schildkröte regelmäßig Kopfsalat oder Eisbergsalat gibt, meint es gut – tut ihr aber keinen Gefallen. Diese Sorten liefern so gut wie keine nennenswerten Nährstoffe und verwässern die Gesamtration, statt sie zu verbessern.
Heißt das, Salat ist grundsätzlich verboten? Nicht ganz. Es gibt einige Sorten, die in futterarmen Zeiten – zum Beispiel im zeitigen Frühjahr oder bei schlechtem Wetter – als Notlösung akzeptabel sind. Der Schlüssel liegt darin, die richtigen Sorten zu wählen und sie immer mit Heu und getrockneten Kräutern zu kombinieren.
Welche Salate gelegentlich geeignet sind
Nicht jeder Salat ist gleich wertlos. Einige Sorten enthalten Bitterstoffe, die die Verdauung anregen, und haben ein etwas besseres Nährstoffprofil als der klassische Kopfsalat. Sie taugen aber trotzdem nicht als regelmäßiges Grundfutter, sondern allenfalls als gelegentliche Ergänzung in kleinen Mengen.
Endivie ist die am besten geeignete Salatsorte für Landschildkröten. Sie enthält Bitterstoffe (Lactucopikrin), die die Verdauung fördern, und hat im Vergleich zu anderen Salaten noch das günstigste Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Dennoch bleibt sie weit hinter Wildkräutern zurück.
Chicorée ähnelt der Endivie in seiner Wirkung – die Bitterstoffe sind verdauungsfördernd. Der hohe Wassergehalt bleibt aber ein Problem. Als gelegentlicher Zusatz in kleinen Mengen ist er in Ordnung.
Romana-Salat (Römersalat) ist besser als Eisbergsalat, weil er mehr Bitterstoffe enthält und etwas mehr Struktur mitbringt. Trotzdem bleibt er nährstoffarm und sollte nur selten angeboten werden.
Feldsalat hat ein mäßiges Nährstoffprofil und kaum Rohfaser – gelegentlich als kleiner Salatanteil in Ordnung, aber kein Calcium- oder Faserlieferant.
Radicchio hat zwar Bitterstoffe, aber ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis. Nur sehr selten und in kleinen Mengen.
Rucola hat im Vergleich zu anderen Salaten noch das beste Nährstoffprofil und enthält Vitamin C. Allerdings gehört er wie Brokkoli zu den Kreuzblütlern und enthält Senföle, die die Schilddrüse belasten können. Nur gelegentlich und in kleinen Mengen.
Kopfsalat und Eisbergsalat – ein klares Nein. Beide bestehen fast ausschließlich aus Wasser und liefern kaum Nährstoffe. Sie sollten grundsätzlich nicht gefüttert werden.
Übersicht: Salate im Vergleich
| Salatsorte | Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Endivie | ⚠️ gelegentlich | Beste Salatsorte; Bitterstoffe fördern Verdauung; immer mit Heu kombinieren |
| Chicorée | ⚠️ gelegentlich | Bitterstoffe gut; hoher Wassergehalt; kleiner Anteil |
| Romana-Salat | ⚠️ gelegentlich | Besser als Eisbergsalat; trotzdem nährstoffarm |
| Feldsalat | ⚠️ gelegentlich | Mäßiges Nährstoffprofil; nur kleine Mengen |
| Radicchio | ⚠️ sehr selten | Ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis; nur winzige Mengen |
| Rucola | ⚠️ gelegentlich | Relativ bestes Nährstoffprofil; Kreuzblütler – nicht täglich |
| Kopfsalat | ❌ nicht füttern | Fast reines Wasser; kein Nährwert |
| Eisbergsalat | ❌ nicht füttern | Fast reines Wasser; kein Nährwert |
Grundregel: Jeden Salat immer mit Heu und getrockneten Wildkräutern kombinieren. Salat allein ist kein ausgewogenes Futter.
Futterpellets: Warum die meisten nicht geeignet sind
Im Zoohandel und in Onlineshops gibt es eine große Auswahl an Futterpellets speziell für Schildkröten. Die bunten Verpackungen versprechen vollständige Ernährung und optimale Nährstoffversorgung. Die Realität sieht leider oft anders aus.
Das grundlegende Problem: Viele dieser Produkte sind am natürlichen Bedarf der Landschildkröte vorbeiformuliert. Hersteller orientieren sich manchmal an Fischfutter oder allgemeinen Reptilienprodukten und passen die Rezeptur nur oberflächlich an. Das Ergebnis sind Pellets, die zwar gefressen werden – Schildkröten fressen vieles – aber langfristig schaden.
Was in schlechten Pellets steckt
Getreide (Mais, Weizen, Gerste, Hafer) ist die häufigste problematische Zutat. Landschildkröten sind keine Körnerfresser – ihre Verdauung ist nicht auf Stärke ausgelegt. Getreide liefert schnell verfügbare Energie, die zu schnellem Wachstum führt. Genau das wollen wir nicht: Das ungleichmäßige, bucklige Wachstum des Panzers wird unter anderem mit zu energiereicher, stärkehaltiger Fütterung in Verbindung gebracht.
Zucker und Melasse werden in Pellets oft als Bindemittel oder Geschmacksverstärker eingesetzt. Für den Darm einer Schildkröte ist Zucker fatal: Er fördert die Vermehrung von Fäulnisbakterien, stört die Darmflora und kann zu Gärungsprozessen führen.
Tierisches Eiweiß – zum Beispiel Fischmehl oder Fleischmehl – hat in Schildkrötenpellets nichts zu suchen. Landschildkröten sind Pflanzenfresser. Tierisches Protein in größeren Mengen belastet Leber und Nieren dauerhaft.
Zu viel pflanzliches Eiweiß ist fast genauso problematisch. Viele günstige Pellets enthalten Soja oder Leguminosen als Hauptbestandteil – das treibt den Eiweißgehalt in die Höhe. Die Gesamtration sollte möglichst wenig Eiweiß enthalten; hochproteinige Pellets konterkarieren das.
Künstliche Zusätze wie Farbstoffe, Aromen und Konservierungsstoffe sind für Schildkröten überflüssig und potenziell belastend. Sie dienen dem Verkauf, nicht der Gesundheit der Tiere.
Wenig Rohfaser ist das letzte große Problem. Pellets, die hauptsächlich aus Getreide und Eiweiß bestehen, liefern kaum Struktur. Rohfaser ist aber unverzichtbar für eine gesunde Darmflora, die richtige Darmpassage und die natürliche Abnutzung des Schnabels.
Woran du gutes Pelletfutter erkennst
Die Zutatenliste ist alles. Schau dort immer als Erstes hin und nicht auf das Foto auf der Verpackung.
Das sollte drinstehen:
- Heu, Wiesengräser oder Kräuter als erste und damit mengenmäßig dominante Zutat
- Rohfaser über 20–25 Prozent – bei guten Heupellets liegt sie deutlich darüber
- Rohprotein unter 10 Prozent in der Gesamtration
Eine kurze, übersichtliche Zutatenliste mit Heu oder Gras an erster Stelle ist ein gutes Zeichen. Je länger und unverständlicher die Liste, desto vorsichtiger solltest du sein.
Das sollte nicht drinstehen:
- Getreide jeder Art (Mais, Weizen, Gerste, Hafer, Reis)
- Zucker, Melasse, Honig oder andere Süßungsmittel
- Tierische Bestandteile (Fischmehl, Fleischmehl)
- Soja als Haupteiweißquelle
- Lange Listen künstlicher Zusatzstoffe
Heucobs und Heupellets: Der bessere Weg
Wenn du Pellets füttern möchtest, sind Heucobs und Heupellets aus reinem Wiesenheu oder Wiesenkräutern die mit Abstand beste Wahl. Sie bestehen im Wesentlichen aus gepresstem und getrocknetem Pflanzenmaterial – ohne Getreide, ohne Zucker, ohne Schnickschnack.
Was macht das so viel besser? Ganz einfach: Heu ist das, was einer vertrockneten Mittelmeerwiese am nächsten kommt. Im natürlichen Habitat ist die Vegetation im Hochsommer längst verdorrt. Landschildkröten fressen dann überwiegend trockenes, faserreiches Pflanzenmaterial. Genau das bilden Heupellets nach.
Das ist auch der Grund, warum Heupellets im Sommer keine optionale Zugabe sind, sondern zur Grundversorgung gehören. Frische Wildkräuter sind im mitteleuropäischen Sommer viel zu gehaltvoll: zu viel Eiweiß, zu viel Wasser, zu wenig Rohfaser im Verhältnis zur Gesamtration. Wer ausschließlich frisches Grünfutter füttert, füttert an den tatsächlichen Sommerbedürfnissen der Tiere vorbei. Heupellets gleichen dieses Ungleichgewicht aus – und sollten deshalb im Sommer täglich oder fast täglich auf dem Speiseplan stehen.
Eine gleichwertige Alternative für Halter, die den Aufwand nicht scheuen: selbst gemachtes Kräuterheu. Wer im Frühjahr und Frühsommer Wildkräuter in großen Mengen trocknet und als Heu lagert, hat ein naturnahes Sommergrundnahrungsmittel, das Heupellets in nichts nachsteht. Selbst geerntetes Kräuterheu aus dem eigenen Gehege ist das Natürlichste, was man anbieten kann.
Die wichtigsten Vorteile von Heupellets auf einen Blick:
- Extrem rohfaserreich – liefert genau die Struktur, die im Sommer fehlt
- Wenig Eiweiß – passt zum sommerlichen Bedarf der Tiere
- Kein Getreide, kein Zucker – kein unnötiger Energieeintrag
- Lange haltbar – praktisch als Jahresvorrat
- Im Sommer unverzichtbar – kein Ersatz für Wildkräuter, aber deren notwendige Ergänzung
Vor dem Füttern einweichen: Heupellets und Heucobs sollten in Wasser eingeweicht werden, bis sie sich aufgelöst haben. Der entstehende Brei wird mehr oder weniger gerne gefressen. Es gehört ein bisschen Ausdauer dazu, bis die Schildkröten es fressen. Das Einweichen verhindert, dass trockene Pellets im Magen quellen.
Bereits im Frühjahr anfangen: Schon im Frühjahr lohnt es sich, Heupellets 1–2× pro Woche unterzumischen. Erstens sind auch Frühjahrspflanzen eiweißreich und rohfaserarm; Heupellets gleichen das aus. Zweitens braucht die Eingewöhnung Zeit. Viele Schildkröten akzeptieren Heupellets nicht sofort. Wer erst im Sommer damit anfängt, wenn die Pellets täglich gebraucht werden, kämpft gegen Futterverweigerer. Wer im Frühjahr beginnt, hat bis zum Sommer entspannt eine gewöhnte Schildkröte.

Eingewöhnung Schritt für Schritt: Die eingeweichten Pellets zunächst unter frisches Lieblingsfutter mischen – Löwenzahn oder Wegerich funktionieren gut. Den Anteil der Pellets langsam steigern, bis die Schildkröte sie ohne Umweg frisst. Geduld und Ausdauer zahlt sich aus.
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Häufige Fragen (FAQ)
Gelegentlich und in kleinen Mengen ja – aber nur die richtigen Sorten. Endivie, Chicorée und Romana sind akzeptable Notlösungen, wenn keine Wildkräuter verfügbar sind. Kopfsalat und Eisbergsalat dagegen liefern so gut wie keine Nährstoffe und sollten grundsätzlich nicht gefüttert werden. Salat ist kein Ersatz für Wildkräuter – er ist allenfalls ein Lückenbüßer.
Endivie. Sie hat unter allen Salatsorten noch das günstigste Nährstoffprofil und enthält Bitterstoffe, die die Verdauung anregen. Trotzdem gilt: Immer mit Heu und getrockneten Kräutern kombinieren und nicht als Hauptfutter einsetzen.
Eisbergsalat besteht zu etwa 96 Prozent aus Wasser. Was bleibt, hat kaum Calcium, kaum Rohfaser und ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis. Er ist im Grunde Wasser in Salatform ohne ernährungsphysiologischen Wert für Schildkröten.
Nicht alle, aber die meisten. Das Problem sind häufig Getreide, Zucker und zu viel Eiweiß in der Rezeptur. Wer die Zutatenliste liest und Produkte ohne Getreide und Zucker wählt, findet auch im Zoohandel brauchbare Produkte. Heupellets und Heucobs aus reinem Wiesenmaterial sind die zuverlässig gute Wahl.
Heucobs sind gepresstes, getrocknetes Heu – mehr nicht. Keine Zusätze, kein Getreide, kein Zucker. Sie sind extrem rohfaserreich, eiweißarm und haben ein naturnahes Nährstoffprofil. Für Landschildkröten simulieren sie das trockene, faserreiche Futter der Sommervegetation im Mittelmeerraum – und sind deshalb einer der sinnvollsten Futterergänzungen überhaupt.
Nein. Aber umgekehrt gilt das im Sommer genauso. Frische Wildkräuter allein reichen im Sommer nicht aus: sie sind bei uns zu eiweißreich und zu wasserhaltig für die Sommerbedürfnisse der Tiere. Heupellets liefern die rohfaserreiche, trockene Kost, die im Hochsommer den Großteil der Nahrung ausmachen sollte – täglich oder fast täglich. Wer kein eigenes Kräuterheu herstellt, kommt im Sommer an Heupellets kaum vorbei. Frische Wildkräuter, Blüten und Gehölzblätter bleiben wichtig, aber als alleiniges Futter reichen sie im Sommer schlicht nicht.
Schau auf die Zutatenliste: Steht Heu, Gras oder Kräuter an erster Stelle? Gibt es kein Getreide, keinen Zucker und keine tierischen Bestandteile? Ist die Liste kurz und verständlich? Dann bist du auf dem richtigen Weg. Ist die erste Zutat Mais oder Weizen, leg das Produkt zurück ins Regal.
Heupellets vor dem Füttern in Wasser einweichen, bis sie sich zu einem Brei aufgelöst haben. Er wird von den meisten Schildkröten gut angenommen. Wer einen „Neueinsteiger“ hat, mischt anfangs frische Wildkräuter unter den Brei und reduziert den Anteil schrittweise.
Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Frühjahr, direkt nach der Winterstarre, empfiehlt es sich bereits, 1–2× pro Woche kleine Mengen eingeweichter Pellets unter frische Wildkräuter zu mischen. Das hat zwei Vorteile: Frühjahrspflanzen sind eiweißreich und rohfaserarm – Heupellets gleichen das aus. Und die Eingewöhnung braucht Zeit. Wer im Frühjahr beginnt, hat bis zum Sommer eine Schildkröte, die Heupellets problemlos frisst. Im Sommer sollten Heupellets dann täglich oder fast täglich auf dem Speiseplan stehen und den Großteil der Futtermenge ausmachen. Im Herbst reduziert sich der Anteil wieder auf 1–2× pro Woche, bis die Fütterung vor der Winterstarre ganz eingestellt wird.