
Wildkräuter, Blüten und mehr
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
- Heu gehört immer dazu. Es ist die Grundlage der artgerechten Ernährung – immer frisch und in ausreichender Menge anbieten.
- Wildkräuter sind das Hauptfutter. Löwenzahn, Wegerich, Taubnesseln, Malven und Disteln bilden die Basis.
- Abwechslung ist essenziell. Je mehr verschiedene Pflanzen du anbietest, desto besser die Nährstoffversorgung.
- Blüten sind gesunde Leckerbissen. Malven-, Ringelblumen- und Rosenblüten werden begeistert gefressen.
- Blätter von Gehölzen ergänzen den Speiseplan. Brombeer-, Himbeer- und Maulbeerblätter sind wertvolle Rohfaserlieferanten.
- Gras ist kein geeignetes Futter. Landschildkröten sind Kräuterfresser, kein Weidetier.
- Sammeln nur an sicheren Standorten. Ungedüngte, ungespritzte Flächen abseits von Straßen und Feldern.
Was gute Futterpflanzen ausmacht
Nicht jede Pflanze, die grün ist, taugt als Schildkrötenfutter. In den natürlichen Habitaten der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) und der Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca) wachsen die Pflanzen auf kargen, kalkhaltigen Böden. Sie enthalten viel Rohfaser und Calcium, dafür wenig Eiweiß und Zucker. Genau diese Eigenschaften sollten auch unsere Futterpflanzen mitbringen.
Gute Futterpflanzen erkennt man an diesen Merkmalen:
- Viel Rohfaser – fördert die Verdauung und hält die Darmflora gesund.
- Wenig Eiweiß und Energie – verhindert zu schnelles Wachstum und belastet die Organe nicht.
- Viel Calcium, wenig Phosphor – das günstige Verhältnis der beiden Mineralstoffe ist für den Aufbau von Panzer und Knochen unverzichtbar.
- Ungiftig und frei von Schadstoffen – keine Behandlung mit Dünger, Pestiziden oder Herbiziden.
Wildkräuter von mageren, kalkreichen Standorten erfüllen diese Kriterien fast immer deutlich besser als Zierpflanzen, Salate oder Gemüsesorten. Genau deshalb bilden sie die Basis der artgerechten Ernährung. Heu ergänzt das frische Grünfutter als unverzichtbare Strukturkomponente – es liefert Rohfaser, die allein durch Wildkräuter oft nicht ausreichend abgedeckt wird.
Die besten Wildkräuter im Überblick
Basis-Wildkräuter: Die tägliche Grundlage
Diese Pflanzen bilden den Kern des Speiseplans. Sie sind leicht zu finden, gut verträglich und liefern ein ausgezeichnetes Nährstoffprofil.
Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
Einer der wertvollsten Futterpflanzen überhaupt – calciumreich, faserreich und gut verträglich. Wächst auf Wiesen, an Wegrändern und in Gärten und ist von April bis Oktober reichlich verfügbar. Ein echter Allrounder als stabiler Grundstock im Futtermix.

Breitwegerich (Plantago major)
Der breitblättrige Verwandte des Spitzwegerichs wächst häufig an Wegrändern, auf Rasenflächen und in Pflasterfugen. Robust, anspruchslos und ebenfalls hervorragend geeignet. Wer ihn im Garten duldet, hat ein verlässliches Grundfutter.

Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Der Klassiker und bei fast allen Schildkröten der absolute Favorit. Blätter, Blüten und Stängel sind gleichermaßen geeignet. Löwenzahn ist faserreich, enthält viel Carotin und wächst von März bis November praktisch überall. Wichtiger Hinweis: Der Calciumgehalt schwankt je nach Standort erheblich. Löwenzahn sollte deshalb immer mit calciumreicheren Pflanzen wie Wegerich kombiniert werden – als Monofutter ist er nicht ideal.

Gänseblümchen (Bellis perennis)
Klein, unauffällig und allgegenwärtig – Gänseblümchen wachsen fast in jedem Garten und werden gerne gefressen. Blätter und Blüten sind gleichermaßen geeignet. Von März bis November nahezu ununterbrochen verfügbar. Sie sind eine gute Ergänzung, aber kein Calciumlieferant – als Bestandteil eines bunten Mixes sind sie aber eine Bereicherung.

Weiße Taubnessel (Lamium album)
Blüht von April bis Oktober und wird in aller Regel gut angenommen. Auch die Rote Taubnessel (Lamium purpureum) ist ebenso gut geeignet.

Wilde Malve (Malva sylvestris)
Blätter und Blüten werden begeistert gefressen. Die Schleimstoffe der Malve wirken beruhigend auf den Verdauungstrakt. Auch Moschus-Malve (Malva moschata) und Weg-Malve (Malva neglecta) sind hervorragend geeignet.

Ringelblume (Calendula officinalis)
Eine wunderschöne Gartenpflanze, deren Blüten und Blätter gleichermaßen gefressen werden. Die Ringelblume ist leicht anzubauen, blüht den ganzen Sommer und lässt sich prima in der Futterwiese kultivieren. Auch die Acker-Ringelblume (Calendula arvensis) ist bestens geeignet.

Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor)
Blüten und Blätter sind gut verträglich und werden gerne gefressen. Eine schöne Ergänzung im Futtermix, die sich im Garten problemlos ansäen lässt.

Königskerze (Verbascum spp.)
Die großen, samtartigen Blätter und die gelben Blüten werden von Schildkröten gerne angenommen. Eine dekorative Pflanze, die gleichzeitig nützlich ist.

Wichtige Ergänzungs-Wildkräuter
Diese Pflanzen sollten regelmäßig im Futtermix auftauchen – sie sorgen für die unverzichtbare Abwechslung und liefern wichtige Nährstoffe.
Disteln (verschiedene Arten, z. B. Cirsium arvense, Onopordum acanthium)
Besonders rohfaserreich und damit essenziell für die Darmgesundheit. Die Acker-Kratzdistel ist zudem ein ausgezeichneter Calciumlieferant. Junge Triebe und Blätter werden bevorzugt – die Stacheln schrecken Landschildkröten weniger ab, als man vermuten würde. Gänsedistel (Sonchus oleraceus) gehört zu den am häufigsten gefütterten Arten.


Ferkelkraut (Hypochaeris radicata)
Sieht dem Löwenzahn sehr ähnlich und hat ein vergleichbares Nährwertprofil. Wird ebenfalls gerne gefressen und ist von Mai bis September verfügbar. Zu Unrecht seltener angeboten als der allgegenwärtige Löwenzahn.

Habichtskraut (Hieracium spp.) und Wiesen-Pippau (Crepis spp.)
Zwei weitere Löwenzahn-Verwandte, die auf Wiesen und an Wegrändern häufig vorkommen. Beide sind gut verträglich und bereichern den Futtermix als willkommene Abwechslung.



Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)
Eine faserreiche Wiesenpflanze mit löwenzahnähnlichen Blättern. Blätter, Blüten und junge Triebe werden gerne gefressen. Im Sommer nur kurz verfügbar (Mai bis Juli), aber dann sehr wertvoll.

Vogelmiere (Stellaria media)
Eine der wenigen Wildpflanzen, die auch im Winter grün bleibt. Sehr beliebt bei Schildkröten, aber wegen des hohen Wassergehalts eher als Ergänzung einsetzen und immer mit Heu kombinieren.

Pflanzen, die du gelegentlich füttern kannst
Diese Pflanzen sind grundsätzlich geeignet, sollten aber nur in kleinen Mengen und nicht als Hauptfutter angeboten werden.
Brennnessel (Urtica dioica)
Calciumreich und deshalb im Mix sehr wertvoll. Der Haken: Brennnesseln enthalten auch sehr viel Eiweiß – mehr als die meisten anderen Wildkräuter. Deshalb nur in kleinen Mengen als Beimischung, nicht als Hauptbestandteil des Futters. Vor dem Verfüttern kurz anwelken lassen, damit die Brennhaare ihre Wirkung verlieren. Beim Sammeln Handschuhe tragen.

Wegwarte (Cichorium intybus)
Die leuchtend blauen Blüten sind ein echter Hingucker im Gehege. Als gelegentliche Ergänzung ist Wegwarte durchaus willkommen, aber sie eignet sich nicht als regelmäßiger Hauptbestandteil: Der Calciumgehalt ist im Vergleich zu Wegerich oder Disteln eher mäßig, und der Eiweißgehalt ist recht hoch. Gut im Mix rotieren, aber nicht dominieren lassen.

Schafgarbe (Achillea millefolium)
Faserreich und auf Wiesen weitverbreitet. Die Schafgarbe enthält aber ätherische Öle, die in größeren Mengen die Verdauung belasten können. Als gelegentlicher Zusatz im Mix ist sie in Ordnung – nicht täglich und nicht in großen Mengen. Die Blüten sind verträglicher als die Blätter.

Klettenlabkraut (Galium aparine)
Wächst kletternd an Zäunen und Hecken und ist bei vielen Schildkröten beliebt. Eher junge, zarte Triebe verwenden – ältere Pflanzen sind durch die klebrigen Borsten schwerer verdaulich. Nur als kleiner Anteil im Mix.

Klee (Trifolium spp.)
Klee hat ein gutes Nährstoffprofil und wächst in fast jedem Garten. Von Schildkröten wird er gerne gefressen wird. Allerdings enthält Klee sehr viel Eiweiß und pflanzliche Östrogene (sogenannte Isoflavone), die bei dauerhafter Überfütterung problematisch werden können. Ein- bis zweimal pro Woche als kleiner Teil eines vielfältigen Mixes ist Klee völlig in Ordnung. Als Hauptfutter ist er dagegen zu gehaltvoll.

Pflanzen mit besonderem Hinweis
Giersch (Aegopodium podagraria)
Wird von vielen Schildkröten gerne gefressen und ist im Mix unbedenklich. Aber: Giersch darf man nur füttern, wenn man ihn sicher bestimmen kann. Er sieht dem hochgiftigen Gefleckten Schierling (Conium maculatum) und der ebenfalls giftigen Hundspetersilie (Aethusa cynapium) zum Verwechseln ähnlich. Im Zweifel lieber stehenlassen.

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)
Enthält Senfölglykoside und sollte nur in kleinen Mengen und gelegentlich gefüttert werden. In Maßen bietet sie aber wertvolle Abwechslung und ist von April bis Juni verfügbar.

Geeignete Blüten: Gesunde Leckerbissen
Blüten werden von Landschildkröten mit großer Begeisterung gefressen und liefern Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Als Leckerbissen zwischendurch oder zum Anreizen bei futterverweigernden Tieren sind sie ideal.
| Blüte | Besonderheit |
|---|---|
| Löwenzahnblüten | Absolute Favoriten, von März bis November verfügbar |
| Ringelblumenblüten | Einfach im Garten anzubauen, den ganzen Sommer verfügbar |
| Malvenblüten | Schleimstoffe wirken verdauungsfördernd |
| Hibiskusblüten | Reich an Vitamin C, auch getrocknet verfütterbar |
| Rosenblüten | Ungespritzte Gartenrosen; Blütenblätter und Hagebutten (selten) |
| Stockrosenblüten (Alcea rosea) | Große, auffällige Blüten – bei Schildkröten sehr beliebt |
| Gänseblümchenblüten | Klein, aber fein – wachsen fast überall |
| Stiefmütterchenblüten | Acker-Stiefmütterchen besonders geeignet |
| Schlüsselblumenblüten (Primula veris) | Nur die Blüten, nicht Blätter oder Wurzel |
| Klatschmohnblüten | Blüten (nicht die Kapsel) sind ungefährlich und beliebt |
| Kapuzinerkresseblüten | Würzig, wird gern gefressen – nur in Maßen |
Getrocknete Blütenmischungen (z. B. Malve, Hibiskus, Rose) sind eine praktische Ergänzung.
Blätter von Gehölzen und Sträuchern
Ein häufig übersehener, aber wertvoller Bestandteil der Ernährung sind Blätter von Sträuchern und Bäumen. In den natürlichen Habitaten fressen Landschildkröten nicht nur krautige Pflanzen, sondern auch Laub. Diese Blätter sind in der Regel besonders rohfaserreich – fast wie Heu in frischer Form – und eignen sich hervorragend als Ergänzung zum Wildkräutermix.
Gut geeignete Gehölze:
- Brombeerblätter (Rubus fruticosus) – ganzjährig verfügbar, sehr rohfaserreich, werden gerne gefressen. Die Dornen stören die Schildkröten kaum.
- Himbeerblätter (Rubus idaeus) – ähnlich wie Brombeerblätter, sehr gutes Futter.
- Maulbeerblätter (Morus spp.) – besonders empfehlenswert: sehr calciumreich und mit guter Faserstruktur. Werden von vielen Schildkröten sehr gerne angenommen.
- Erdbeerblätter (Fragaria) – Blätter und Blüten sind bestens geeignet, die Früchte dagegen nicht (zu viel Zucker).
- Rosenblätter (Rosa) – Blätter und Blüten von ungespritzten Rosen sind unbedenklich.
- Haselnussblätter (Corylus avellana) – im Sommer und Herbst verfügbar; trockene Herbstblätter sind hervorragendes Strukturmaterial.
- Apfel- und Birnenblätter (Malus/Pyrus) – Blätter und Blüten sind geeignet. Früchte und Kerne nicht verfüttern.
- Weinblätter (Vitis vinifera) – in Südeuropa ein natürliches Futter, aber wegen eines erhöhten Oxalsäuregehalts nur gelegentlich anbieten, nicht als regelmäßiges Grundfutter.
Futterpflanzen im Jahresverlauf
Die Verfügbarkeit von Wildkräutern schwankt in den natürlichen Habitaten im Jahresverlauf. Diese natürlichen Schwankungen dürfen wir in der Fütterung ruhig widerspiegeln.
Frühling (März bis Mai)
Die beste Sammelzeit. Junge, zarte Wildkräuter sprießen überall: Löwenzahn, Gänseblümchen, Wegerich, Taubnesseln und Vogelmiere sind jetzt reichlich verfügbar. Das frische Frühjahrsgrün ist nährstoffreicher als im Sommer – das entspricht dem natürlichen Zyklus, denn auch im Mittelmeerraum nutzen Landschildkröten die üppige Frühjahrsvegetation nach der Winterruhe.
Sommer (Juni bis August)
Im Hochsommer verholzen viele Wildkräuter und werden faserreicher – genau das, was Landschildkröten jetzt brauchen. Disteln, Wegwarte, Schafgarbe und Malven sind jetzt besonders wertvoll. Ergänze das frische Futter verstärkt durch Kräuterheu. Wildkräuter dürfen jetzt gerne leicht angewelkt verfüttert werden. Das simuliert die verdorrte Vegetation der natürlichen Habitate.
Herbst (September bis Oktober)
Die Auswahl wird kleiner, aber Löwenzahn, Wegerich, Gänseblümchen und Vogelmiere wachsen oft bis in den November hinein. Brombeer- und Himbeerblätter sind jetzt als Ergänzung besonders praktisch, da sie lange am Strauch bleiben. Die Futtermenge wird insgesamt reduziert und einige Wochen vor der Winterstarre wird die Fütterung komplett eingestellt.
Winter (November bis Februar)
Während der Winterstarre gibt es kein Futter. Für Halter, die in futterarmen Zeiten im Frühjahr überbrücken müssen, sind Endivie und Romana-Salat als Notfutter akzeptabel – aber immer in Kombination mit getrockneten Kräutern und Heu. Kopfsalat und Eisbergsalat sind dagegen ungeeignet, weil sie kaum Nährwert haben.
Richtig sammeln: Darauf kommt es an
Die besten Futterpflanzen nützen wenig, wenn sie vom falschen Standort stammen. Beim Sammeln gibt es einige wichtige Regeln.
Geeignete Sammelstandorte
- Wiesen und Weiden, die nicht gedüngt und nicht gespritzt werden – am besten magere, kalkhaltige Standorte.
- Der eigene Garten – hier hast du die volle Kontrolle.
- Waldränder und lichte Wege – hier wachsen oft Pflanzen, die auf Wiesen seltener sind.
Standorte, die du meiden solltest
- Straßenränder – Belastung durch Abgase, Reifenabrieb und Streusalz.
- Ränder von Äckern und Feldern – Abdrift von Pestiziden und Herbiziden.
- Gedüngte Rasenflächen – Düngemittelrückstände können den Tieren schaden.
- Hundewiesen – Kontamination durch Kot und Parasiten.
Praktische Sammeltipps
Verwende zum Sammeln einen Korb oder eine Baumwolltasche. In Plastiktüten beginnen die Kräuter schnell zu schwitzen. Was du nicht sofort verfütterst, kannst du bedenkenlos am nächsten Tag anbieten. Leicht angewelkte Kräuter sind kein Problem – im Gegenteil, sie simulieren die etwas vertrocknete Vegetation, wie Landschildkröten sie in ihren natürlichen Habitaten vorfinden.
Und der wichtigste Grundsatz: Sammle nur, was du sicher bestimmen kannst. Im Zweifel die Pflanze lieber stehen lassen. Das gilt besonders bei Doldenblütlern wie Giersch – dort ist die Verwechslungsgefahr mit giftigen Arten real. Ein gutes Bestimmungsbuch oder eine Pflanzenbestimmungs-App helfen dir dabei.
Die eigene Futterwiese: Bequem und naturnah
Die komfortabelste Lösung für die tägliche Versorgung ist eine eigene Futterwiese im oder neben dem Gehege. Wenn du die richtigen Wildkräuter aussäst und den Boden bewusst mager hältst, entsteht mit der Zeit ein sich selbst erhaltender Pflanzenbestand.
Einige Tipps aus unserer Erfahrung:
- Keinen Dünger verwenden und wenig bewässern – magere Böden fördern genau die Wildkräuter, die Schildkröten brauchen.
- Rasen entfernen und durch eine Wildkräutermischung ersetzen. Normales Rasengras ist für Schildkröten kein geeignetes Futter.
- Fertige Saatgutmischungen für Schildkröten erleichtern den Einstieg. Verschiedene Anbieter haben Mischungen entwickelt, die auf die Bedürfnisse von Landschildkröten abgestimmt sind.
- Nicht die gesamte Fläche abmähen – immer Teilbereiche stehen lassen, damit die Pflanzen sich neu aussäen können.
- Gehölze am Rand pflanzen – Brombeer- und Himbeerranken, Heckenrosen und Ringelblumen bieten Futter, Schatten und Struktur.
Wir halten neun adulte Tiere auf etwa 40 Quadratmetern Gehegefläche. Trotz guter Bepflanzung müssen wir regelmäßig zufüttern, weil die Wildkräuter schnell abgeweidet werden. Wenn du eine reine Selbstversorgung anstrebst, brauchst du eine deutlich größere Fläche.
👉 Mehr zur Anlage einer Futterwiese: Wildkräuter im Gehege säen
Was nicht in den Futternapf gehört
Nicht alles, was im Garten wächst, darf gefüttert werden. Einige Pflanzen sind für Landschildkröten völlig ungeeignet oder sogar gefährlich.
Ungeeignetes Futter
- Normales Rasengras – wird kaum gefressen und liefert kaum Nährstoffe.
- Kopfsalat und Eisbergsalat – fast reines Wasser, keine nennenswerten Nährstoffe.
- Obst – zu viel Zucker; verursacht Gärung im Darm.
- Gemüse wie Zucchini, Gurke, Tomate, Paprika – ungünstiges Nährstoffprofil, teilweise sogar problematische Inhaltsstoffe.
- Kohl, Brokkoli, Spinat, Mangold – entweder schilddrüsenschädigend oder binden das lebenswichtige Calcium im Körper.
Giftige Pflanzen
Giftige Pflanzen müssen konsequent aus dem Gehege und dem direkten Umfeld entfernt werden. Die gefährlichsten sind:
Eibe (gilt als giftigste Pflanze für Schildkröten überhaupt), Buchsbaum, Efeu, Oleander, Lebensbaum (Thuja), Engelstrompete, Fingerhut, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Rhododendron, Azaleen, Wolfsmilchgewächse, Tollkirsche, Krokus, Narzissen und Tulpen. Auch Jakobskreuzkraut und Schierling sind hochgiftig.
Das Tückische: Die Verdauung dauert bei Schildkröten bis zu drei Wochen – Vergiftungssymptome treten oft erst spät auf und sind dann schwer zuzuordnen.
👉 Eine ausführliche Übersicht: [Giftige Pflanzen für Landschildkröten] (geplant)
Übersichtstabelle: Geeignete Futterpflanzen
| Pflanze | Eignung | Hinweis |
|---|---|---|
| Spitzwegerich | ✅ täglich | Hervorragendes Basisfutter |
| Breitwegerich | ✅ täglich | Gutes Basisfutter, wächst überall |
| Mittlerer Wegerich | ✅ täglich | Seltener, aber genauso wertvoll |
| Löwenzahn | ✅ täglich | Immer mit calciumreicheren Pflanzen kombinieren |
| Wilde Malve | ✅ täglich | Blätter und Blüten |
| Ringelblume | ✅ täglich | Blüten und Blätter; einfach anzubauen |
| Weiße Taubnessel | ✅ täglich | Auch Rote Taubnessel geeignet |
| Rote Taubnessel | ✅ täglich | Im Frühjahr häufig |
| Gänseblümchen | ✅ täglich | Kein Calciumträger – immer kombinieren |
| Wildes Stiefmütterchen | ✅ täglich | Blüten und Blätter |
| Königskerze | ✅ täglich | Blätter und Blüten |
| Disteln (Kratzdistel, Eselsdistel) | ✅ täglich | Sehr rohfaserreich, calciumreich |
| Gänsedistel | ✅ täglich | Gut verträglich |
| Ferkelkraut | ✅ täglich | Guter Löwenzahn-Ersatz |
| Habichtskraut | ✅ täglich | Löwenzahn-ähnlich |
| Wiesen-Pippau | ✅ täglich | Löwenzahn-ähnlich |
| Wiesen-Bocksbart | ✅ täglich | Mai–Juli verfügbar |
| Vogelmiere | ✅ täglich | Wasserreich – immer mit Heu kombinieren |
| Stockrose | ✅ täglich | Blüten sehr beliebt |
| Brennnessel | ⚠️ gelegentlich | Nur kleiner Mix-Anteil wegen hohem Eiweiß; anwelken |
| Wegwarte | ⚠️ gelegentlich | Nicht als Hauptfutter; nicht dominieren lassen |
| Schafgarbe | ⚠️ gelegentlich | Ätherische Öle – Blätter sparsam, Blüten ok |
| Klettenlabkraut | ⚠️ gelegentlich | Nur junge Triebe, kleiner Anteil |
| Goldnessel | ⚠️ gelegentlich | Nur kleine Mengen |
| Klee | ⚠️ gelegentlich | Max. 1–2×/Woche; enthält viel Eiweiß und Pflanzenhormone |
| Giersch | ⚠️ gelegentlich | Nur bei sicherer Bestimmung! Verwechslungsgefahr mit Schierling |
| Knoblauchsrauke | ⚠️ gelegentlich | Nur kleine Mengen; April–Juni |
| Brombeerblätter | ✅ täglich | Ganzjährig, sehr rohfaserreich |
| Himbeerblätter | ✅ täglich | Rohfaserreich |
| Maulbeerblätter | ✅ täglich | Besonders calciumreich |
| Erdbeerblätter | ✅ täglich | Nur Blätter und Blüten, nicht die Früchte |
| Rosenblätter | ✅ täglich | Nur ungespritzte Rosen |
| Haselnussblätter | ✅ täglich | Trockene Blätter auch als Strukturmaterial |
| Apfel- & Birnenblätter | ✅ täglich | Keine Früchte oder Kerne |
| Weinblätter | ⚠️ gelegentlich | Oxalsäure – nur gelegentlich |
Die Pflanzenbilder in diesem Artikel wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Sie dienen der Veranschaulichung und ersetzen kein Bestimmungsbuch. Für die sichere Artbestimmung im Freiland empfehlen wir immer eine zuverlässige Pflanzen-App oder ein Bestimmungswerk.
Häufige Fragen zu Futterpflanzen (FAQ)
Die Basis bilden Wildkräuter wie Spitz- und Breitwegerich, Löwenzahn, Disteln, Malven, Taubnesseln, Gänseblümchen und Ringelblumen. Ergänzend eignen sich Blüten, Blätter von Gehölzen und stets Heu ad libitum. Die Faustregel: Alles, was auf einer ungedüngten, ungespritzten Wiese wächst und nicht giftig ist, kommt grundsätzlich in Frage.
Ja, aber in Maßen. Klee enthält viel Eiweiß und pflanzliche Östrogene (Isoflavone), die bei dauerhafter Überfütterung problematisch werden können. Ein- bis zweimal pro Woche als kleiner Teil eines bunten Wildkräutermixes ist Klee eine wertvolle Ergänzung – als Hauptfutter ist er dagegen zu gehaltvoll.
Normales Rasengras ist für Landschildkröten kein geeignetes Futter. Sie sind Kräuterfresser, keine Weidetiere. Die meisten Schildkröten ignorieren reinen Rasen ohnehin. Im Gehege ist es besser, Rasen durch eine Wildkräuterwiese zu ersetzen.
Heu liefert die Rohfaser, die frische Wildkräuter allein oft nicht in ausreichender Menge mitbringen – vor allem im Sommer, wenn wasserreiche Pflanzen dominieren. Außerdem unterstützt Heu die Abnutzung des Schnabels und fördert eine gesunde Verdauung. Heu sollte immer und unbegrenzt verfügbar sein.
Am besten auf ungedüngten, ungespritzten Wiesen, an Waldrändern oder im eigenen Garten. Meide Straßenränder, Feldränder und gedüngte Rasenflächen. Die sicherste Option ist eine eigene Futterwiese. Sammle nur Pflanzen, die du sicher bestimmen kannst.
Je mehr Vielfalt, desto besser. Wir empfehlen mindestens zehn verschiedene Pflanzenarten pro Woche. Der häufigste Fehler ist eine einseitige Fütterung immer derselben zwei oder drei Arten. Eine Mischung aus Wildkräutern, Blüten und Gehölzblättern deckt das natürliche Nährstoffspektrum am besten ab.
Die gefährlichsten sind Eibe, Buchsbaum, Efeu, Oleander, Lebensbaum (Thuja), Engelstrompete, Fingerhut, Herbstzeitlose und Maiglöckchen. Auch Jakobskreuzkraut und Schierling sind hochgiftig. Im Zweifel gilt: Pflanze lieber stehen lassen oder aus dem Gehege entfernen.