
Was, wie viel und wann
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rohfaserreich, energiearm, calciumreich – so lässt sich das Grundprinzip der artgerechten Fütterung auf den Punkt bringen.
- Hauptfutter: Wildkräuter von ungedüngten Flächen, ergänzt durch Kräuterheu und Heupellets.
- Calcium-Phosphor-Verhältnis: Mindestens 2:1, in natürlichen Habitaten oft 3:1 und höher.
- Heu gehört immer dazu – dauerhaft verfügbar, auch an Fastentagen.
- Fütterungspausen gehören zum natürlichen Rhythmus – im Freigehege regulieren Wetter und Temperatur das von selbst.
- Die Fütterung folgt dem Jahresrhythmus: Im Frühjahr saftig, im Sommer mager, vor der Winterstarre einstellen.
- Jungtiere fressen dasselbe wie Adulte – nur in kleineren Mengen und mit besonderem Augenmerk auf langsames Wachstum.
Die Basis: Was Landschildkröten wirklich brauchen
Europäische Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) stammen aus kargen, trockenen Habitaten mit wenig, aber calciumreicher Vegetation. Sie sind Pflanzenfresser mit einem Verdauungssystem, das auf rohfaserreiche, energiearme Kost ausgelegt ist. Ihr ausgeprägter Dickdarm und Blinddarm beherbergen Mikroorganismen, die Pflanzenfasern fermentieren – ein Prozess, der nur mit der richtigen Kost funktioniert.
Was bedeutet das konkret? Die Zusammensetzung der Nahrung sollte sich an folgenden Richtwerten orientieren:
| Nährstoff | Richtwert (Trockensubstanz) |
|---|---|
| Rohfasern | mindestens 12 %, besser 20 % |
| Rohprotein (Eiweiß) | maximal 20 % |
| Rohfett | deutlich unter 10 % |
| Calcium (Ca) | ca. 2,0 % |
| Phosphor (P) | ca. 1,2 % |
| Ca/P-Verhältnis | mindestens 2:1, besser 3:1 oder höher |
Je rohfaserreicher und je karger das Futter, desto besser für unsere Schildkröten.
Zum Vergleich: Die Futterpflanzen in den natürlichen Habitaten weisen oft ein Calcium-Phosphor-Verhältnis von 3,5:1 oder höher auf. Unsere mitteleuropäischen Gartenpflanzen und Kulturgemüse liegen dagegen häufig unter 1:1. Das Verhältnis kann langfristig zu Calciummangel und metabolischer Knochenerkrankung führen.
Wie viel soll eine Landschildkröte fressen?
Eine einfache Zahl gibt es hier nicht – und das ist auch gut so. Der tatsächliche Bedarf hängt so stark vom Energiegehalt der jeweiligen Pflanzen ab, dass jede pauschale Mengenangabe in die Irre führen kann: Trockene Wildkräuter liefern ein Vielfaches der Energie von wässrigem Salat, bei gleicher Menge auf der Waage. Wer sich an Gramm orientiert, misst das Falsche.
Zuverlässiger sind Beobachtungen am Tier selbst.
Restekontrolle ist der einfachste Alltagstest: Wenn du abends regelmäßig größere Mengen unberührtes Futter aus dem Gehege entfernst, hast du tendenziell zu viel angeboten. Findet deine Schildkröte nach dem Fressen hingegen noch stundenlang kaum etwas und zeigt intensives, aufgeregtes Suchverhalten, darf die nächste Portion etwas größer ausfallen.
Die Körperkondition lässt sich gut beobachten, wenn das Tier läuft oder sich in die Enge zieht: Die Weichteile über den Hinterbeinen sind dann gut zu sehen. Fallen sie deutlich ein, deutet das auf Untergewicht hin – sind sie stark vorgewölbt, auf Übergewicht. Gelegentliches Wiegen auf einer flachen Waage gibt zusätzliche Sicherheit, ohne das Tier zu belasten.
Im gut bepflanzten Freigehege regulieren Landschildkröten ihre Futteraufnahme erfahrungsgemäß recht vernünftig selbst – sie grasen über den ganzen Tag verteilt in kleinen Portionen, ganz wie im natürlichen Habitat. Ergänzungsfutter wird dann gezielt und maßvoll dazugegeben.
Wer kein großes Freigehege hat, füttert am besten lieber etwas weniger als zu viel und beobachtet dann das Verhalten. Zeigt das Tier nach einer Weile noch intensives Suchverhalten, kann die nächste Portion etwas größer sein. Zeigen sich regelmäßig Reste, war es zu viel. So tastet man sich über einige Fütterungen an die passende Menge heran. Hilfreich ist außerdem, das Futter im Gehege zu verteilen statt an einer Stelle anzuhäufen. Das animiert zum natürlichen Suchen und verhindert, dass die gesamte Portion auf einmal gefressen wird.
Fütterungsrhythmus im Alltag
In der Natur nehmen Landschildkröten über den ganzen Tag verteilt viele kleine Portionen verschiedener Pflanzen auf. Sie beißen kurz in ein Blatt, wandern weiter, probieren die nächste Pflanze. Dieses natürliche Weideverhalten sollten wir zumindest annähern:
- Futter morgens auslegen, wenn die Tiere nach dem Aufwärmen aktiv werden.
- Futter nicht immer an gleicher Stelle ablegen, sondern im Gehege verteilen – das animiert zur natürlichen Futtersuche und fördert die Bewegung.
- Futterreste abends entfernen, um Schimmel und Hygieneproblemen vorzubeugen.
- Immer frisches Wasser in flachen Trinkschalen bereitstellen.
Fastentage: Dem natürlichen Rhythmus folgen
In freier Wildbahn finden Landschildkröten nicht jeden Tag gleich viel Futter. An kühlen, bedeckten Tagen bleiben sie in ihren Verstecken, ihr Stoffwechsel läuft auf Sparflamme und sie fressen ohnehin kaum. Fütterungspausen entstehen im natürlichen Habitat also ganz von selbst, gekoppelt an Wetter und Temperatur, nicht an einen Kalender.
Im Freigehege: Das Wetter übernimmt
Wer seine Schildkröten in einem gut bepflanzten Außengehege hält, muss sich über Fastentage kaum Gedanken machen. An kühlen oder bewölkten Tagen regulieren die Tiere ihre Aktivität und Futteraufnahme selbst. An warmen, aktiven Tagen grasen sie dann selbstständig im Gehege.
Bei kontrollierter Zufütterung: Weniger ist oft mehr
Wer seine Tiere regelmäßig mit Frischfutter versorgt – im Frühbeet oder einem kleineren Gehege ohne reiche Eigenbepflanzung – kann ein bis zwei Tage pro Woche einfach nur Heu und Wasser anbieten, statt zusätzliches Frischfutter zuzugeben. Kein striktes Regime, sondern schlicht eine Gelegenheit, mal weniger zu machen. Wenn deine Schildkröte dabei selbst im Gehege frisst – Gras, Kräuter – ist das vollkommen in Ordnung.
Jungtiere
Für sehr kleine Tiere (unter 100 Gramm) sind strikte Fütterungspausen nicht sinnvoll, da sie geringere Energiereserven haben. Leichte Tage mit nur Heu und getrockneten Kräutern sind aber in Ordnung. Das Grundprinzip bleibt: nicht zu viel, nicht zu gehaltvoll, und Heu immer zugänglich.
Der Jahresrhythmus der Fütterung
Die Fütterung sollte dem natürlichen Jahresverlauf mit aktiven Phasen und Winterruhe folgen. Das ist einer der wichtigsten Aspekte, die viele Anfänger nicht auf dem Schirm haben.
Frühling (nach der Winterstarre bis ca. Ende Mai)
Nach drei bis vier Monaten Winterstarre beginnt die Saison behutsam. Füttere erst, wenn deine Tiere wirklich aktiv sind und die Betriebstemperatur erreicht haben. Starte mit zarten, jungen Wildkräutern – Löwenzahn, Wegerich, junge Disteln, Gänseblümchen und etwas Klee eignen sich hervorragend.
In dieser Phase sind fünf Fütterungstage pro Woche mit frischen Wildkräutern sinnvoll, ergänzt durch Heu und Kräuterheu. Falls es im Frühjahr noch nicht genug Wildkräuter gibt, können Salate wie Endivie, Romana, Radicchio, Chicoree oder Feldsalat als Überbrückung dienen – aber immer mit getrockneten Kräutern kombinieren, um den Rohfaseranteil zu erhöhen. Kopfsalat und Eisbergsalat sind dagegen ungeeignet, da sie kaum Nährstoffe enthalten, extrem wasserreich sind und schlecht verdaut werden.
Heupellets bereits im Frühjahr einführen: Bereits jetzt lohnt es sich, 1–2× pro Woche kleine Mengen eingeweichter Heupellets unter frische Wildkräuter zu mischen. Das hat zwei Vorteile: Erstens sind auch Frühjahrspflanzen rohfaserarm, was die Heupellets ausgleichen. Zweitens braucht die Eingewöhnung Zeit. Wer erst im Sommer damit anfängt, wenn Heupellets täglich gebraucht werden, kämpft oft gegen Futterverweigerer. Wer im Frühjahr beginnt, hat bis zum Sommer eine entspannte Schildkröte.
Sommer (Juni bis August)
Im Sommer wird die Fütterung magerer. Das entspricht dem natürlichen Zyklus in den Habitaten, wo die Vegetation in dieser Zeit weitgehend verdorrt ist. Frische Wildkräuter geben wir drei- bis viermal pro Woche, gerne leicht angewelkt. Der Anteil an Heupellets und Kräuterheu steigt jetzt deutlich an. Zeitweise können Heupellets sogar das Hauptfutter sein.
Ein bis zwei Fastentage pro Woche sind in dieser Phase besonders sinnvoll. Die Tiere finden im gut bepflanzten Gehege trotzdem genug Restfutter.
Herbst (September bis zur Winterstarre)
Im Herbst wird die Futtermenge insgesamt reduziert. Wir bieten weniger saftiges Grün und mehr rohfaserreiche Pflanzen und Heu an. Zwei Fastentage pro Woche sind jetzt möglich. Einige Wochen vor der eigentlichen Winterstarre stellen wir das Futter komplett ein, damit sich der Darm entleeren kann. Nur Wasser bleibt weiterhin verfügbar.
Winter (Winterstarre)
Während der Winterstarre gibt es kein Futter. In dieser Phase kontrollieren wir nur Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Winterstarre.
Drei Fütterungsansätze im Vergleich
In der Schildkrötenhaltung haben sich drei grundlegende Fütterungsansätze etabliert, die alle auf demselben Ziel basieren: rohfaserreiches, karges Futter, das den natürlichen Lebensräumen möglichst nahekommt. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wann und wie viel Futter angeboten wird.
Ansatz 1: Tägliche, sehr magere Fütterung
Jeden Tag eine kleine Menge frisches Futter, konsequent rohfaserreich und energiearm, kombiniert mit permanent verfügbarem Heu. Die Menge orientiert sich an der Restekontrolle am Abend und am Verhalten der Tiere. Dieser Ansatz eignet sich besonders für Halter mit kleineren Gehegen, für Jungtiere und für alle, die Portionsgrößen gut steuern möchten.
Ansatz 2: Feste Fastentage mit strukturierter Futterwoche
Die Woche ist klar unterteilt: Tage mit Frischfutter, Tage mit Heupellets und mindestens ein fester Fastentag. Dieser Ansatz simuliert natürliche Schwankungen im Futterangebot besonders gut und eignet sich für strukturierte Halter mit adulten Tieren.
Ansatz 3: Selbstregulation im naturnahen Freigehege
Die Tiere suchen sich ihr Futter weitgehend selbst in einem großzügig bepflanzten Freigehege. Der Halter ergänzt nur mit Kräuterheu und Heupellets. Dieser Ansatz funktioniert nur in wirklich großen, strukturierten Gehegen mit reichlich geeigneten Futterpflanzen.
Unser Ansatz: Wir kombinieren Elemente aus allen drei Konzepten. Unser Gehege ist nur teilweise mit Futterpflanzen bepflanzt (Ansatz 3). Wir ergänzen das mit einer strukturierten Futterwoche (Ansatz 2) und achten auf kontrollierte Portionsgrößen (Ansatz 1). Alle drei Ansätze können zu gesunden, langlebigen Tieren führen, wenn sie konsequent rohfaserreich, proteinarm und calciumreich umgesetzt werden.
| Ansatz | Kerngedanke | Besonders geeignet für |
|---|---|---|
| Tägliche, magere Fütterung | Kleine Portionen, tägliches Angebot, Restekontrolle | Kleinere Gehege, Jungtiere, kontrollierte Haltung |
| Feste Fastentage | Wöchentlicher Wechsel: Frischfutter, Heu, Fasten | Adulte Tiere, strukturiertes Management |
| Selbstregulation | Freigehege als Futterquelle, wenig Zufütterung | Große Flächen, naturnahe Haltung |
Fütterung von Jungtieren
Jungtiere fressen grundsätzlich dasselbe wie adulte Tiere. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele Anfänger nicht beachten. Es gibt kein spezielles „Babyfutter“ und es braucht auch keines. Was sich unterscheidet, sind die Portionsgrößen und die Konsequenz, mit der auf langsames Wachstum geachtet werden muss.
Warum langsames Wachstum so wichtig ist
Zu schnelles Wachstum – die sogenannte „Dampfaufzucht“ – ist die häufigste und gefährlichste Fehlentwicklung bei Jungtieren in menschlicher Obhut. Sie entsteht durch zu energiereiches, zu eiweiß- und fettreiches Futter und führt zu Panzermissbildungen (Höckerbildung), zu weichem Panzer und langfristig zu schweren Organschäden. Diese Schäden sind in aller Regel nicht mehr korrigierbar und begleiten das Tier lebenslang.
Portionsgrößen für Jungtiere
Babyschildkröten brauchen tägliches Futterangebot, aber in sehr kleinen, kontrollierten Mengen. Heu und getrocknete Kräuter sollten dauerhaft verfügbar sein.
Wachstumskontrolle
Wiege deine Jungtiere regelmäßig (monatlich reicht aus) und vergleiche die Zunahme mit verfügbaren Wachstumstabellen für die jeweilige Art. Steigt das Gewicht zu schnell, reduziere die Futtermenge konsequent. Das Ziel ist langsames, gleichmäßiges Wachstum und kein Rekordwachstum.
Flüssigkeitsversorgung bei Jungtieren
Ein oft unterschätzter Punkt: Jungtiere müssen feuchter gehalten werden als adulte Tiere. Ihr kleiner Körper trocknet schneller aus, und chronische Dehydration schädigt die Nieren und begünstigt Höckerbildung. Junge Schildkröten sollten sich in feuchte Erde eingraben können, täglich frisches Wasser in sehr flachen Schalen vorfinden und regelmäßig (etwa alle ein bis zwei Wochen) in handwarmem Wasser gebadet werden. Beim Baden nehmen sie Flüssigkeit über die Kloake auf, was die Flüssigkeitsversorgung zusätzlich unterstützt.
Calcium bei Jungtieren
Jungtiere im Wachstum haben einen erhöhten Calciumbedarf. Sepiaschalen in kleineren Bruchstücken sollten dauerhaft im Gehege liegen. Eine gute UV-B-Versorgung ist gerade bei Jungtieren unverzichtbar, damit das aufgenommene Calcium auch verwertet werden kann. Ohne ausreichend UV-B-Strahlung kann der Körper kein Vitamin D3 bilden und ohne Vitamin D3 wird Calcium aus der Nahrung nicht aufgenommen, egal wie viel davon angeboten wird.
Die Rolle von Heu und Kräuterheu
Dieses Thema verdient besondere Betonung, weil es häufig unterschätzt wird. Heu ist kein Lückenfüller und kein Notfutter – es ist ein essenzieller Bestandteil der artgerechten Ernährung.
Warum ist Heu so wichtig?
- Extrem rohfaserreich – reinigt den Darm und verhindert Fehlgärung.
- Hält Parasitenbefall in Grenzen – die Rohfasern fördern die Ausscheidung.
- Verschleißt die Hornleisten – Schildkröten haben keine Zähne, und ohne natürlichen Abrieb droht Schnabelüberwuchs.
- Simuliert das Sommerhalbjahr im natürlichen Habitat, in dem die Vegetation verdorrt ist.
Wir empfehlen, hochwertiges Wiesenheu oder Kräuterheu permanent zur freien Verfügung zu stellen. Im Hochsommer und Herbst den Anteil an getrocknetem Futter deutlich erhöhen und frische Pflanzen etwas reduzieren. Frischfutter immer mit getrockneten Kräutern bestreuen – das erhöht den Rohfaseranteil und ist eine einfache Methode, die Verdauung zu unterstützen.
Oxalsäure: Vorsicht bei bestimmten Pflanzen
Ein Thema, das in Schildkrötenforen regelmäßig für Verunsicherung sorgt: Oxalsäure. Diese Substanz kommt natürlicherweise in vielen Pflanzen vor und bindet im Körper Calcium, was zur Bildung von Blasen- und Nierensteinen führen kann. In größeren Mengen ist sie daher schädlich.
Besonders oxalsäurereiche Pflanzen, die du nur in kleinen Mengen oder gar nicht füttern solltest: Sauerampfer, Gartenampfer, Sauerklee, Spinat, Mangold, Rote Bete und Rhabarber. Auch gelbblühende Sedum-Arten (Fetthennen) können erhöhte Oxalsäurewerte aufweisen.
Die gute Nachricht: Bei einer abwechslungsreichen Ernährung mit vielen verschiedenen Wildkräutern spielt der Oxalsäuregehalt einzelner Pflanzen kaum eine Rolle. Problematisch wird es nur, wenn eine oxalsäurereiche Pflanze über längere Zeit als Hauptfutter dient. Wer seine Schildkröten abwechslungsreich überwiegend mit Wildkräutern ernährt, kann den Oxalsäuregehalt einzelner Wiesenkräuter entspannt betrachten.
Giftige Pflanzen: Was nicht ins Gehege gehört
Neben der Futterwahl ist es ebenso wichtig, giftige Pflanzen im und um das Gehege zu kennen und zu entfernen. Schildkröten scheinen instinktiv die meisten Giftpflanzen zu meiden. Darauf solltest du dich aber nicht verlassen. Die Verdauung dauert bei Schildkröten bis zu drei Wochen, wodurch Vergiftungssymptome oft erst spät und dann schwer zuzuordnen auftreten.
Besonders gefährliche Pflanzen sind: Eibe (die giftigste Pflanze für Schildkröten), Buchsbaum, Efeu, Oleander, Lebensbaum (Thuja), Engelstrompete, Fingerhut, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Rhododendron, Azaleen, Wolfsmilchgewächse, Immergrün und Krokus.
Wenn du dir bei einer Pflanze unsicher bist, gilt die Regel: Im Zweifel raus aus dem Gehege. Eine ausführliche Übersicht giftiger Pflanzen findest du in unserem geplanten Ratgeber: [Giftige Pflanzen für Landschildkröten] (geplant)
Häufige Fütterungsfehler und ihre Folgen
Fütterungsfehler wirken oft schleichend und die Probleme zeigen sich erst nach Monaten oder Jahren, wenn die Schäden bereits irreparabel sind. Deshalb ist es so wichtig, sie von Anfang an zu vermeiden.
Zu energiereiche und eiweißreiche Fütterung: Viel Obst, Gemüse, Fertigfutter oder Kopfsalat fördert unnatürlich schnelles Wachstum, das der Panzer- und Knochenstruktur „davonläuft“. Die Folgen: Höckerbildung (Pyramidenpanzer), Fettleibigkeit, Fettleber und belastete Organe.
Falsches Calcium-Phosphor-Verhältnis: Typisch bei einer Kost mit viel Obst, Gemüse und wenig Calciumergänzung. Da kann langfristig zu Knochenerkrankungen führen: Der Panzer wird weich, die Knochen entkalken, Frakturen häufen sich.
Fehlende Saisonalität: Keine Winterstarre, ständig volles Futterangebot und fehlende Fastentage. Das begünstigt chronische Überfütterung, kann die Lebenserwartung verkürzen und zu Verhaltensauffälligkeiten führen.
Woran erkennst du Folgen von Fütterungsfehlern? Pyramidenpanzer, weicher oder federnder Panzer, schneller Umfangszuwachs, Übergewicht, wiederkehrender Durchfall, Gichtknötchen an Gelenken oder körniger Harn sind typische Warnsignale. Bei Auffälligkeiten: frühzeitig einen reptilienkundigen Tierarzt aufsuchen.
👉 Ausführliche Informationen: [Häufige Fütterungsfehler und ihre langfristigen Gesundheitsfolgen]
Häufige Fragen zur Fütterung (FAQ)
Eine pauschale Mengenangabe ist nicht sinnvoll, weil der tatsächliche Bedarf stark vom Energiegehalt der jeweiligen Pflanzen abhängt. Der zuverlässigste Alltagstest ist die Restekontrolle am Abend: Bleiben regelmäßig größere Mengen übrig, war es zu viel. Zeigt das Tier nach dem Fressen noch stundenlang intensives Suchverhalten, darf die nächste Portion etwas größer sein. Heu steht zusätzlich immer zur freien Verfügung.
In freier Wildbahn finden Schildkröten nicht jeden Tag gleich viel Futter. Fütterungspausen entstehen dort ganz natürlich durch kühle oder bedeckte Tage, an denen die Tiere kaum aktiv sind. Im gut bepflanzten Freigehege reguliert das Wetter das ohnehin von selbst. Wer seine Tiere aktiv zufüttert, kann ein bis zwei Tage pro Woche einfach nur Heu und Wasser anbieten – kein striktes Regime, aber ein sinnvoller Rhythmus. Heu steht dabei immer zur Verfügung.
Nein. Salate wie Endivie oder Romana sind höchstens eine Ergänzung in futterarmen Phasen im Frühjahr, können Wildkräuter aber nicht ersetzen. Sie sind zu wasserreich, mineralstoffarm und liefern zu wenig Rohfaser. Eine reine Salatfütterung führt langfristig zu Mangelerscheinungen. Welche Salatsorten gelegentlich akzeptabel sind und warum die meisten Pellets aus dem Zoohandel problematisch sind, erklären wir ausführlich in: [Salate und Futterpellets für Landschildkröten]
Heu ist unverzichtbar und sollte bei jeder Fütterungsmethode dauerhaft verfügbar sein. Es simuliert die verdorrte Vegetation der natürlichen Habitate, liefert essenzielle Rohfasern und hält Darm und Hornleisten gesund. Frische Pflanzen allein reichen nicht aus, um den natürlichen Jahreszyklus nachzubilden.
Die besten Indikatoren sind Wachstum, Körperform und Aktivität deiner Tiere. Langsames, gleichmäßiges Wachstum ohne Sprünge, ein glatter Panzer ohne ausgeprägte Höcker und aktive Tiere, die sich viel bewegen – das sind die Zeichen einer gelungenen Fütterung. Gelegentliches Wiegen gibt dir zusätzliche Sicherheit.
Bestehende Verformungen wie Pyramidenpanzer bilden sich leider nicht zurück. Durch konsequente Umstellung auf artgerechte Fütterung und gute Haltung lässt sich das Fortschreiten aber stoppen. Je früher du gegensteuerst, desto besser die Prognose.
Bestimmte Salate wie Endivie, Romana, Radicchio, Chicoree und Feldsalat sind als Notfutter in futterarmen Phasen akzeptabel – immer kombiniert mit getrockneten Kräutern. Kopfsalat und Eisbergsalat sind dagegen ungeeignet: kaum Nährstoffe, extrem wasserreich, schlecht verdaulich. Salate können Wildkräuter aber grundsätzlich nicht ersetzen, da sie zu wenig Rohfaser, Mineralstoffe und Calcium liefern.
In kleinen Mengen und bei abwechslungsreicher Fütterung ist Oxalsäure kein Problem. Kritisch wird es nur bei einseitiger Fütterung mit stark oxalsäurehaltigen Pflanzen wie Sauerampfer, Sauerklee oder Spinat über einen längeren Zeitraum. Die Oxalsäure bindet Calcium und kann zur Bildung von Nieren- und Blasensteinen führen. Bei einem bunten Wildkräutermix brauchst du dir darüber keine Sorgen zu machen.
Ein zu langer Schnabel (Papageienschnabel) entsteht häufig durch zu weiches Futter. Heu, Sepiaschale und faserreiche Pflanzen sorgen für natürlichen Abrieb der ständig nachwachsenden Hornleisten. Ist der Schnabel bereits so lang, dass die Futteraufnahme beeinträchtigt ist, muss ein reptilienkundiger Tierarzt ihn kürzen. Schnabelüberwuchs kann auch auf Calcium- und Vitamin-D3-Mangel hinweisen.
Ohne UV-B-Strahlung kann der Körper kein Vitamin D3 bilden und ohne Vitamin D3 wird Calcium aus der Nahrung nicht aufgenommen. Du kannst also noch so viel Calcium anbieten: ohne UV-B bleibt es wirkungslos. Mehrere Minuten direkte Mittagssonne im Sommer reichen für den Tagesbedarf. Im Frühbeet oder Gewächshaus ist eine hochwertige UV-B-Lampe am Sonnenplatz unverzichtbar.
Praktische Checkliste
- Hauptfutter: Wildkräuter von ungedüngten, ungespritzten Flächen
- Ergänzung: Kräuterheu und Heupellets ganzjährig, im Sommer verstärkt
- Calcium: Sepiaschale dauerhaft im Gehege
- UV-B: Außenhaltung mit direkter Sonne oder hochwertige UV-Lampe im Frühbeet
- Fütterungsrhythmus: abwechslungsreich, mager, mit regelmäßigen Fütterungspausen
- Winterstarre: Futter rechtzeitig reduzieren und einstellen
- Verboten: Obst, Gemüse, Fertigfutter, Brot, Nudeln, tierische Produkte
- Jungtiere: Gleiche Kost wie Adulte, kleine Portionen, Wachstum kontrollieren
- Frisches Wasser: Immer verfügbar
Weiterführende Ratgeber
- Ernährung von Landschildkröten – Übersicht
- Geeignete Futterpflanzen für Landschildkröten
- Wildkräuter im Gehege säen
- AGROBS Landschildkrötenfutter im Test
- Salate und Futterpellets für Landschildkröten
- Calcium für Landschildkröten
- Giftige Pflanzen für Landschildkröten (geplant)
- Vorbereitung auf die Winterstarre